Medizinische Ethik im ärztlichen Alltag

Medizinische Ethik im ärztlichen Alltag

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Alberto Bondolfi

Eines der ersten Bücher der Editores Medicorum Helveticorum nimmt sich dieses zentralen Aspekts des Arztseins an. Neue medizinische Entwicklungen lösen zugleich Hoffnungen und Ängste aus. Immer werden dabei auch Fragen zur ethischen Verantwortbarkeit dieser neuen Möglichkeiten aufgeworfen. Im Spannungsfeld zwischen dem wissenschaftlichen Fortschritt, der gelegentlich die Grenzen erprobten medizinischen Handelns erreicht, und materiellen Allokationsfragen wird das Bedürfnis nach einer «Ethik in der Medizin» immer stärker. Das vorliegende, auf die spezifischen Bedürfnisse der Schweiz ausgerichtete Buch schliesst hier eine grosse Lücke.

Der Ruf nach Ethik ist sowohl allgemein verbreitet wie diffus in seinem Verständnis und seinen Implikationen. Einerseits sollen bestimmte Werte oder Normen, welche in unserer Gesellschaft bisher als indiskutabel galten, weiterhin mit der Autorität der «Ethik» gefestigt werden. Andererseits wird damit eine eher vage und zugleich moralisierende Wiederholung einiger Allgemeinplätze verbunden, die verschiedenen weltanschaulichen Traditionen entnommen werden. Eine letzte Variante des Rufs nach «mehr Ethik» besteht in einer dezidierten Überprüfung der bisher tradierten moralischen Intuitionen. Sie nimmt in der Literatur oft die Form der radikalen Infragestellung bisheriger Positionen an. Eine solche Art der Reflexion hat sicherlich zur besseren Klarstellung mancher normativer Konflikte geführt. Sie hat aber auch viele Menschen in ihrem «moralischen Haushalt» so verunsichert und verärgert, dass das Wort «Ethik» bzw. «Bioethik» beinahe zum Schimpfwort geworden ist. Dieses Buch möchte dem Bedürfnis nach Ethik Rechnung tragen, zugleich aber die erwähnten Zerrbilder vermeiden. Die beiden Herausgeber, PD Dr. theol. A. Bondolfi und Prof. Dr. med. Hj. Müller, vertreten die beiden angesprochenen Wissenschaftssparten: Ethik und Medizin. Ein kompetenter wissenschaftlicher Beirat hat bei der Auswahl der Themen und Autoren mitgewirkt und die einzelnen Kapitel geprüft. Als Autorinnen und Autoren für die einzelnen Beiträge konnten sowohl Vertreter aus Philosophie und Theologie als auch aus der Medizin gewonnen werden. Dieses Buch wird Studierenden, Ärztinnen und Ärzten, allen im Pflegebereich tätigen Leserinnen und Lesern sowie allen an der Medizinethik Interessierten eine Informationsquelle und Hilfe bei der konkreten Auseinandersetzung mit ethischen Fragen im medizinischen Alltag sein.

Alberto Bondolfi, geb. 1946, studierte Philosophie und Theologie an der Universität Freiburg i. Ue. Im Jahr 1977 wurde er im Fach Theologie promoviert. Seit 2003 ist er Professor für Ethik an der Universität Lausanne. Er war Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Biomedizinische Ethik (1990-1996) und Präsident der Europäischen Gesellschaft für ethische Forschung (1995-1999). Des Weiteren ist er Mitglied der zentralethischen Kommission der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften und verschiedener Bundeskommissionen, die sich mit Ethik in der Medizin beschäftigen.

Prof. Dr. med. Hansjakob Müller ist ehemaliger Leiter der Abteilung Medizinische Genetik des Universitäts-Kinderspitals beider Basel und des Departements Biomedizin Basel. 

Medizinische Ethik im ärztlichen Alltag
1999. 631 Seiten, 3 Abbildungen und 3 Tabellen. Gebunden.